Berufserfahrung im Ehrenamt

Achtklässler der Hans-Adlhoch-Schule
wollen sich mit Blick auf die Ausbildung engagieren

Von unserem Redaktionsmitglied Daniela Hungbaur

Pfersee

Tatjana und Steffi wissen genau, in welchem Bereich sie ehrenamtlich tätig werden möchten. Die Zwillinge aus der Klasse 8 a der Hans-Adlhoch-Schule würden gerne mit Kindern arbeiten. Im Rahmen des neuen Projektes "Change in", das vom Freiwilligen Zentrum Augsburg und vom Stadtjugendamt getragen wird und dem Bündnis für Augsburg zugeordnet ist, soll die Jugend ehrenamtliche Aufgaben übernehmen. Eine Idee, die noch manche Hürde nehmen muss, wie sich an der Schule zeigte. Denn das Wissen rund ums Ehrenamt erwies sich bei manchen Schülern als eher lückenhaft.

Dabei sind das Interesse und die Motivation bei den Jugendlichen sehr groß. Allein, es fehlt an Vorbildern und konkreten Vorstellungen. Doch in persönlichen Gesprächen kristallisiert sich schnell eine ganze Reihe an Talenten und Fähigkeiten heraus, die die Schüler sowohl einbringen können als auch wollen: Philipp (15) möchte einmal Koch werden und im Rahmen eines Praktikums prüfen, ob sein Hobby auch als Beruf taugt. "Ich könnte mir gut vorstellen, für Bedürftige, Obdachlose oder Kranke zu kochen", erzählt er. Der 15-jährige Simon ist in Sachen Computer spitze. Der Vorschlag, dass er seine Kenntnisse anderen Menschen, vielleicht Senioren, zukommen lässt, gefällt ihm gut.

"Change in" ist ein Begriff, der ursprünglich Schüler-Mentoren-Projekt heißen sollte und Jugendlichen Geschmack am sozialen Engagement machen will. AZ vor Ort will das Projekt näher vorstellen. In der nächsten Ausgabe werden Mentoren zu Wort kommen und eine Woche später einige Einsatzstellen.

Einige der Mädchen in der Hans-Adlhoch-Schule haben sich schon selbst Gedanken gemacht, was ihnen am meisten ehrenamtlich Spaß machen würde: Melanie würde gerne mit Kindern arbeiten und auch Inga aus der 8 b zieht es in Kindergärten: "Ich habe schon viel Erfahrung im Babysitting und kann mit Kindern gut umgehen", erzählt sie. Doch die meisten der Schüler wollen mit ihrem Ehrenamt vor allem berufliches Know-how sammeln. So strebt Inga nicht nur für eine befristete ehrenamtliche Zeit eine Tätigkeit mit Kindern an, auch ihr Berufswunsch ist in diesem Bereich angesiedelt. Das hängt freilich damit zusammen, dass die Achtklässler erst eine Suche nach Praktikumsstellen hinter sich gebracht haben und auch die Zeit der Ausbildung stets in den Köpfen präsent ist.

So trennt auch Daniel seine Begeisterung für die Feuerwehr nicht von seinem Berufswunsch: Berufsfeuerwehrmann. Der 15-Jährige ist seit zwei Jahren begeisterter Feuerwehrler in Pfersee und lobt den Teamgeist in den höchsten Tönen. Im Rahmen von "Change in" würde er nun gerne die Feuerwehr-Kollegen in Oberhausen oder Haunstetten besuchen.

Geht es um ehrenamtliches Engagement, stehen auch die Tiere bei den Schülern der Hans-Adlhoch-Schule hoch im Kurs: Dienste im Tierheim kann sich nicht nur Demitri vorstellen; auch Jasmin, die regelmäßig die Angebote des Schäferhundevereins nutzt, würde die Arbeit mit Tieren Freude machen.

Doch ist das Ehrenamt bei den Schülern so fest mit dem Beruf verquickt, dass für die ursprüngliche meist soziale Motivation kaum Raum bleibt. Dabei findet es Lehrerin Sabine Priegl so wichtig, dass die Schüler durch das Ehrenamt Anerkennung bekommen und sich gestärkt fühlen. "Statt Langeweile in der Freizeit sollten sie erfahren, dass es sinnvolle Alternativen gibt." Nur so könnten auch Aggressionen in positive Bahnen gelenkt werden.

Jetzt gilt es für die Schüler ­ neben der Hans-Adlhoch-Schule nehmen auch die Bert-Brecht-Realschule, das Stetteninstitut und das Fugger-Gymnasium an "Change in" teil ­ passende Einsatzorte zu finden. Eine Aufgabe, die nun Ulrico Ackermann vom Freiwilligen-Zentrum in die Hand nehmen möchte. Schließlich sollen die Jugendlichen ihren Einsatz bereits im Mai beginnen. Im nächsten Schuljahr soll das Projekt fortgesetzt werden.

Info

Wer eine Stelle für "Change in" anbieten oder den Jugendlichen bei ihrer Suche und ihrer Tätigkeit vor Ort unterstützen möchte, kann sich unter Telefon 0821/513899 oder unter E-Mail fza@a-city.de melden.

Augsburger Allgemeine 27.03.03


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